BTC in Afghanistan

Wenn Frauen ihre eigene Bank werden

Afghanische Frauen an Laptops

Es gibt Geschichten, die uns daran erinnern, dass finanzielle Freiheit nicht nur eine Frage des Wohlstands ist, sondern eine Frage der Menschenwürde. Die Geschichte von Roya Mahboob ist eine davon. Als die Taliban 1996 ihr Heimatland Afghanistan übernahmen, war sie sieben Jahre alt. Eines Tages spielte sie mit ihrem Fahrrad im Vorgarten, ihren roten Lieblingsschal tragend, als bewaffnete Männer in einem Jeep auftauchten. Danach durfte sie nicht mehr draußen spielen. Ihr roter Scarf wurde gegen ein schwarzes Kleid getauscht – „genau wie bei allen anderen Mädchen“. Die Taliban verbrannten Bücher und Videokassetten auf den Straßen. Roya durfte nicht mehr zur Schule gehen. Alle Wege zum Wissen waren verschlossen, alle Brücken zur Außenwelt niedergebrannt.

Und heute?

Jahre später, nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan, wurde Roya Mahboob die erste weibliche Tech-CEO des Landes und eine der einflussreichsten Personen der Welt laut TIME Magazine. Sie gründete Citadel Software, ein Unternehmen mit 85 Prozent weiblicher Belegschaft. Für jede dieser Frauen war es der erste Job ihres Lebens. Gleichzeitig startete sie die Plattform WomanNX, über die afghanische Frauen von zu Hause aus arbeiten konnten – sie schrieben Artikel, übersetzten Dokumente, luden Videos hoch. Doch es gab ein Problem: Wie sollten sie bezahlt werden?
In Afghanistan haben viele Frauen keinen Zugang zu Bankkonten. Sie benötigen die Erlaubnis ihrer Männer, Väter oder Brüder, um am traditionellen Finanzsystem teilzunehmen. Das uralte Hawala-System mit seinen Zwischenhändlern war langsam, teuer und unsicher. Dann entdeckte Roya Bitcoin. Plötzlich konnten über 2.000 Mädchen in Afghanistan direkt in Bitcoin bezahlt werden – ohne Erlaubnis, ohne Zwischenhändler, ohne dass ein Mann seine Unterschrift leisten musste. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatten diese Frauen die volle Kontrolle über ihr eigenes Geld.

Als die Taliban 2021 zurückkehrten, wurde Bitcoin für viele afghanische Frauen zur Lebensader. Während die Taliban Bargeldabhebungen limitierten und Millionen hungerten, erhielten Frauen Nothilfe in Kryptowährungen. Sie führen heute geheime Online-Leben, lernen Kryptowährungen zu nutzen, in der Hoffnung, finanziell unabhängig zu werden. Bitcoin ist für sie kein Investment – es ist Überleben. Es ist die Möglichkeit, ein Bankkonto zu haben, ohne einen Mann um Erlaubnis fragen zu müssen. Es ist wirtschaftliche Selbstbestimmung in einer Welt, die ihnen diese Rechte verwehrt.